PISA 2025: Überholen wir uns selbst? Was sinkende Kompetenzen, KI-Nutzung und digitale Gesundheit miteinander zu tun haben.

Die neuen Ergebnisse der PISA-Studie 2025 sind da. Und sie sind an einigen Stellen ernüchternd, das muss man leider attestieren.

Für uns ergab sich beim Lesen eine Frage: Lernen wir genug? Lernen wir vielleicht das Falsche? Und was lernen junge Menschen eigentlich für eine zunehmend digitale Welt?

Wir haben uns das mal angesehen.

Mehr als 760.000 15-Jährige aus 91 Ländern und Volkswirtschaften nahmen an der Studie teil. Sie repräsentieren rund 33 Millionen Jugendliche weltweit.

Die Ergebnisse zeigen: In den OECD-Ländern liegen die durchschnittlichen Leistungen in Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen auf dem niedrigsten Niveau, das PISA bislang gemessen hat. Besonders deutlich ist die Entwicklung beim Lesen. Zwischen 2015 und 2025 sank die durchschnittliche Leistung in den OECD-Ländern um 28 Punkte, in Mathematik um 22 Punkte.

Das allein wäre Grund genug, genauer hinzusehen. Aber PISA 2025 erzählt noch eine zweite Geschichte. Und die hat sehr viel mit unserer zunehmend digitalen Welt zu tun.

Lesen heißt heute mehr als Texte lesen

Die OECD weist darauf hin, dass gerade Fähigkeiten zurückgehen, die in einer von künstlicher Intelligenz geprägten Welt wichtiger werden: Informationen bewerten, Verbindungen zwischen unterschiedlichen Quellen herstellen und kritisch über Gelesenes nachdenken.

Auch eine andere Zahl fällt auf: Weniger als die Hälfte der befragten Jugendlichen in den OECD-Ländern – 46 Prozent – gab an, sowohl die Glaubwürdigkeit von Informationsquellen zu überprüfen als auch wissenschaftlichen Erkenntnissen mehr zu vertrauen als dem eigenen „Common Sense“.

37 Prozent überprüfen zwar Quellen, verlassen sich aber eher auf den gesunden Menschenverstand als auf wissenschaftliche Evidenz. Weitere 11 Prozent vertrauen wissenschaftlicher Evidenz, ohne die Quellen zu überprüfen.

Die OECD zieht daraus eine wichtige Schlussfolgerung: Ein großer Teil der 15-Jährigen könnte anfällig für Fehl- und Desinformation sein.

Wie sieht es bei Erwachsenen aus? Das beantwortet PISA nicht. Aber gerade mit Blick auf den bewussten Umgang mit KI und digitalen Informationen lohnt sich die Frage: Welche Kompetenzen brauchen Menschen – und welche Unterstützung brauchen sie, um diese Kompetenzen entwickeln zu können?

Das ist keine kleine Randnotiz. Denn Informationen zu finden, zu verstehen, ihre Herkunft zu prüfen und ihre Qualität beurteilen zu können, gehört längst zu unserem Alltag.

Oder sollte dazu gehören.

Und dann kam KI.

46 Prozent nutzen KI mindestens einmal pro Woche

Fast die Hälfte der Jugendlichen in den OECD-Ländern – 46 Prozent – nutzt KI-Chatbots mindestens wöchentlich als Unterstützung beim Lernen.

Das zeigt zunächst einmal: KI ist für diese Generation keine Zukunftstechnologie. Sie ist da.

Interessant wird es aber bei der Frage, was diese Nutzung bedeutet.

PISA 2025 zeigt keinen einfachen Zusammenhang zwischen KI-Nutzung und besseren Leistungen. Jugendliche, die KI beispielsweise zum Zusammenfassen von Texten, Schreiben oder Recherchieren für schulische Aufgaben einsetzen, erreichen im Durchschnitt niedrigere Ergebnisse in Naturwissenschaften als Jugendliche, die dies nicht tun.

Ob das jetzt heißt, dass selber denken besser ist, lassen wir mal offen. Aber wir möchten zumindest festhalten: Das eigene Gehirn zu benutzen, ist bei aller KI keine Schande. 😉

Gleichzeitig zeigt sich ein anderes Bild bei Jugendlichen, die KI regelmäßig allgemein nutzen und in der Schule Möglichkeiten erhalten, AI-Literacy-Kompetenzen zu entwickeln: Sie erzielen tendenziell etwas bessere Ergebnisse in Naturwissenschaften.

Das ist keine Aussage darüber, ob KI „gut“ oder „schlecht“ für das Lernen ist. Der Zusammenhang ist komplex, wie auch die OECD ausdrücklich betont.

Aber für uns steckt darin eine wichtige Botschaft:

Technologie zu benutzen bedeutet noch nicht, sie kompetent zu benutzen.

Und was hat das mit Gesundheit zu tun?

PISA untersucht Bildung und die Kompetenzen 15-Jähriger. PISA 2025 ist keine Studie über Gesundheitskompetenz oder Digital Health Literacy. Trotzdem sollten uns diese Ergebnisse im Gesundheitswesen interessieren. Denn auch hier verändern sich die Anforderungen an Menschen rasant.

Wir erwarten zunehmend, dass Menschen digitale Gesundheitsinformationen finden und beurteilen, Gesundheitsdaten verstehen, Patientenportale oder Apps nutzen, mit Wearables umgehen und informierte Entscheidungen über die Nutzung ihrer Daten treffen.

Und zunehmend kommt KI hinzu.

Menschen stellen Chatbots Gesundheitsfragen. KI-Systeme werden in medizinische Prozesse integriert. Patientinnen und Patienten werden mit Ergebnissen und Empfehlungen konfrontiert, an deren Entstehung Algorithmen beteiligt sein können. Dafür reicht es nicht, ein Smartphone bedienen oder einen Chatbot öffnen zu können. Auch einfache Fragen stellen zu können, reicht irgendwann nicht mehr.

Hier wird es ein wenig anspruchsvoller.

Menschen müssen die richtigen Fragen stellen können. Sie müssen Informationen einordnen, Quellen beurteilen und Unsicherheit erkennen können. Und sie müssen zumindest grundsätzlich verstehen können, was digitale Technologien und KI leisten – und was nicht.

Das betrifft übrigens nicht nur Patientinnen und Patienten. Die 15-Jährigen von heute sind die Patient, Ärzt, Pflegefachpersonen, Wissenschaftler, Entwickler und Entscheidungsträger von morgen.

Digitalisierung braucht Kompetenz

Wir investieren derzeit enorme Ressourcen in die digitale Transformation unserer Gesellschaft und unserer Gesundheitssysteme.

Wir entwickeln KI-Systeme, digitale Gesundheitsanwendungen, elektronische Patientenakten, datenbasierte Forschung und immer komplexere digitale Infrastrukturen.

Dabei dürfen wir eine entscheidende Frage nicht vergessen: Investieren wir genauso konsequent in die Menschen, die diese Systeme verstehen und nutzen sollen?

Zugang ist nicht dasselbe wie Kompetenz. Nutzung ist nicht dasselbe wie Verständnis.

Und digitale Teilhabe entsteht nicht allein dadurch, dass eine Technologie verfügbar ist.

Genau deshalb gibt es edha

Bei der european digital health academy beschäftigen wir uns genau mit dieser Lücke.

Wir arbeiten an Digital Health Literacy und AI Literacy und entwickeln Lernangebote und Räume, in denen Menschen digitale Technologien nicht nur kennenlernen, sondern verstehen, hinterfragen und diskutieren können. Dabei geht es uns nicht darum, aus jedem Menschen einen Technologieexperten zu machen.

Es geht darum, Menschen zu befähigen, gute Fragen zu stellen, Informationen einzuordnen, Entscheidungen zu treffen und digitale Gesundheit mitzugestalten. Denn für uns gehört zu einer erfolgreichen digitalen Transformation nicht nur gute Technologie.

Sie braucht Menschen, die mit ihr umgehen können.

Die Ergebnisse von PISA 2025 sollten uns deshalb nicht nur im Bildungsbereich beschäftigen. Sie werfen eine größere Frage auf:

Sind wir dabei, unsere Technologien schneller weiterzuentwickeln als die Kompetenzen der Menschen, die mit ihnen leben sollen? Überholen wir uns selbst?

Und wenn die Antwort darauf auch nur manchmal „ja“ lautet, haben wir Arbeit vor uns.

Und ehrlich: Haben wir die nicht längst?

Genau daran arbeiten wir.

Quelle: OECD (2026), PISA 2025 Results (Volume I): Future-Ready Students, OECD Publishing, Paris.

https://www.oecd.org/en/publications/pisa-2025-results-volume-i_73451bc5-en.html?

Bild von Birgit Bauer

Birgit Bauer

edha wurde 2022 als gemeinnützige Organisation von Birgit Bauer gegründet. Birgit ist Kommunikationsexpertin und Digital Health Expertin. Sie ist auch Patient Expert und lebt seit über 20 Jahren mit MS (Multiple Sklerose). 2022 hat Birgit auch das Projekt “Data Saves Lives Deutschland” etabliert und arbeitet erfolgreich mit der Community, die wir auch bei edha willkommen heißen.

Über edha

edha ist eine gemeinnützige Grassroots-Initiative für digitale Gesundheitskompetenz. Wir machen digitale Gesundheit verständlich – ohne Druck und ohne Fachchinesisch. Damit du informierter entscheiden und deine Versorgung aktiv mitgestalten kannst.