Was wir beim Arbeiten mit KI gelernt haben

Warum wir über KI sprechen

Bild von ChatGPT generiert. Gigo or not Gigo? Das ist hier die Frage. 🙂

Künstliche Intelligenz (KI) ist längst fester Bestandteil unseres Alltags.

Sie wird genutzt, um Informationen zu suchen, Texte zu strukturieren, Fragen vorzubereiten oder komplexe Inhalte scheinbar schnell verständlich zu machen. Das klingt erst einmal praktisch. In der Realität wird jedoch schnell klar: einfach mal etwas eingeben und dafür ordentliche, korrekte und verlässliche Antworten zu bekommen, ist alles andere als easy peasy.

Wer sich intensiver damit beschäftigt, merkt schnell, dass es anstrengend wird und Zeit braucht. Die Nutzung von KI ist keine Spaßveranstaltung. Es ist Arbeit. An sich selbst und an oder mit einem Tool. Gleichzeitig hören wir – gerade aus der Patientenvertretung – immer wieder den Ruf nach mehr Bildung rund um KI. Bitteschön. Können wir.

Wichtig und berechtigt? Finden wir – und bemühen uns, Wissen anzubieten. Erst einmal Basics. Weil sie die beste Ausgangsposition sind, um sich auszubreiten.

Denn wir beobachten ein zentrales Problem:

Wo Wissen über KI fehlt, wird KI häufig per Copy & Paste genutzt – ungeprüft, unreflektiert und ohne Einordnung.

Das ist kein individuelles Versagen. Es ist ein strukturelles Thema. Und eines der Qualität.

Oder eben: GIGO – Garbage in, Garbage out.

Auf Deutsch: Kippt man oben Müll rein, kommt unten nichts anderes heraus. Es kommt auf die Qualität an und die wiederum braucht Wissen. 

Klar ist: KI zu nutzen ist nicht dasselbe wie KI zu verstehen und sie so einzusetzen, dass man selbst das Ruder in der Hand behält.

Vom Ausprobieren zum Arbeiten – ein Einblick von Birgit 

Ich habe sehr früh bei ChatGPT eingecheckt. Ich war neugierig. Meine große Frage war: *Was kann diese KI eigentlich? Kann ich mit der Witze reißen oder wirklich arbeiten? *

Wenn ich mir anschaue, wie ich vor zwei Jahren mit KI gearbeitet habe und wie ich heute arbeite, dann liegt da ein großer Unterschied. Am Anfang war es ein Spiel. Dann kamen Fortbildungen, Gespräche und Einblicke, die mir geholfen haben, meine Position schrittweise zu verändern. Nach und nach habe ich zumindest im Ansatz verstanden, wie KI denkt.

Für mich als kreativen Chaoten war das eine echte Umstellung. Von kurvig zu geradlinig. Der Wendepunkt kam mit dem ersten wirklich schwierigen Text. Es war eine Analyse verschiedener wissenschaftlicher Publikationen und an sich schon schwere Kost. 

Es war auch nicht wegen der Technik, sondern wegen der Arbeitsweise, die sich stark verändert hat. Ich habe genauer gelesen, geprüft, Sätze umgeschrieben, nochmal geprüft und Wörter verworfen. 

Aus typischen KI-Texten wurden meine Texte. Mit meinem Ton. Und gleichzeitig deutlich klarer und wertiger. Ich fing an, KI als das zu nutzen, was sie ist: ein Werkzeug. Das gilt es zu verstehen. 

Denn ich prüfe damit nicht nur Texte – ich prüfe auch mich selbst. Ich hinterfrage meine Gedanken und finde Ausdrucksformen, die vorher eher verborgen waren. Das war neu. Aber es ist wirklich gut.

Es begann schleichend, aber die KI ist mein Tool, mich zu verbessern, mit mir zu lernen, von neuen Gedanken zu partizipieren und damit auch bessere Texte zu verfassen, konkretere Konzepte zu entwickeln und am Ende diese vertreten zu können. Gedanken zu klären und dafür zu sorgen, dass sie verständlich sind. 

Und hier verwende ich das Lieblingswort der KI: 

Ich kann meine Texte mit Haltung vertreten, ich kann sie sozusagen halten, weil sie von mir sind, bearbeitet mit einem Tool, das mir auch mal Contra gibt. Was wiederum ab und zu nervt, aber auch Ruhe in meine Gedanken bringt, weil man noch einmal denken muss. 

Aber genau das ist Arbeiten mit KI: sich nicht immer einig sein, sich spiegeln zu lassen, um besser zu werden, und Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen.

Wenn KI schneller ist als man selbst

Es gibt diese Momente, da wirkt KI wie ein übereifriger Assistent. Kaum ist ein Gedanke fertig, prescht sie los und füllt den Bildschirm mit den nächsten Schritten. Während das eigene Denken noch sortiert, ist die KI bereits weiter. Das erzeugt Druck.

Der entscheidende Punkt ist: Man muss da nicht mitgehen.

Was hilft, ist ein klares Stopp. Ein bewusst gesetztes Stoppschild in Form eines Prompts. Zum Beispiel: Ich möchte das jetzt schrittweise machen. Wir waren gerade hier. Ich möchte mir das noch einmal ansehen und dann gehen wir weiter.

Die KI versteht das. Sie stoppt. Sie kommt zurück. Voraussetzung ist allerdings, dass man selbst weiß, wo man steht, was man gerade leisten kann und wo man verweilen möchte. KI braucht keine Eile – sie braucht Klarheit, Struktur und Richtung.

Zwei Denkfehler im Umgang mit KI

Im Umgang mit KI begegnen uns immer wieder zwei problematische Haltungen.

Die erste: KI wird geliebt, weil sie vermeintlich das Denken abnimmt. Man gibt etwas ein, bekommt etwas zurück, kopiert es und stellt es online. Fertig.

Das ist gefährlich. Denn hier wird Verantwortung abgegeben. Wer Inhalte ungeprüft übernimmt, keine Quellen checkt und sich vollständig auf KI verlässt, produziert Fehlinformationen. Daraus entstehen Missverständnisse, Fehlannahmen und im schlimmsten Fall falsche Entscheidungen – im Gesundheitskontext oft mit realen Konsequenzen für einzelne Menschen.

Hinzu kommt: Tools wie ChatGPT sind keine medizinischen Werkzeuge. Dafür bräuchte es spezialisierte Anwendungen wie ChatGPT Health, das in Europa und im Vereinigten Königreich aktuell nicht freigegeben ist. Darüber haben wir auch bei unserem Schwesterprojekt Data Saves Lives Deutschland berichtet – den Beitrag verlinken wir hier für alle, die tiefer einsteigen möchten. Blogpost DSL DE – About Chat GPT Health

Die zweite Haltung ist die grundsätzliche Ablehnung von KI.

Ob das klug ist, sei dahingestellt. KI ist längst Teil unseres Lebens – auch in der Medizin. In Bereichen wie der Radiologie können Diagnosen durch KI heute oft präziser gestellt werden.

Der Gedanke, KI werde Menschen ersetzen, greift zu kurz. Als von Menschen geschaffenes Werkzeug wird KI immer Menschen brauchen – vorausgesetzt, Verantwortung bleibt dort, wo sie hingehört.

Gerade angesichts von Demografie, Fachkräftemangel und steigenden Kosten im Gesundheitswesen wird es unausweichlich sein, sich mit KI auseinanderzusetzen.

Worum es uns geht

Was wir uns wünschen, ist kein perfekter Umgang mit KI, sondern ein bewusster.

Einen informierten Umgang, der auch dort hinschaut, wo KI hindert – und daraus lernt. Der Weg dorthin wird Hürden haben und Zeit brauchen. Aber es ist ein Weg, den zu gehen sich lohnt.

Dafür braucht es verantwortungsvolles Handeln, bewusstes Agieren und die Bereitschaft, Verantwortung nicht abzugeben.

Vielleicht bedeutet das auch, sich wieder an etwas zu gewöhnen, das wir an der einen oder anderen Stelle verlernt haben: kritisch zu denken. Dort, wo bisher Konsum ausgereicht hat, braucht es heute das Hinterfragen.

Weniger Konsum und mehr Hinterfragen helfen. Es gilt Kompetenz zu entwickeln: Gesundheits- und Digitalkompetenz. 

Nicht nur im Umgang mit KI – sondern überall dort, wo Wissen, Gesundheit und Entscheidungen zusammenkommen.

Dafür sind wir da. Komm mit! 

Bild von Birgit Bauer

Birgit Bauer

edha wurde 2022 als gemeinnützige Organisation von Birgit Bauer gegründet. Birgit ist Kommunikationsexpertin und Digital Health Expertin. Sie ist auch Patient Expert und lebt seit über 20 Jahren mit MS (Multiple Sklerose). 2022 hat Birgit auch das Projekt “Data Saves Lives Deutschland” etabliert und arbeitet erfolgreich mit der Community, die wir auch bei edha willkommen heißen.

Über edha

edha ist eine gemeinnützige Grassroots-Initiative für digitale Gesundheitskompetenz. Wir machen digitale Gesundheit verständlich – ohne Druck und ohne Fachchinesisch. Damit du informierter entscheiden und deine Versorgung aktiv mitgestalten kannst.